Nach jahrelangen Verhandlungen und einer kurzfristig abgesagten Abstimmung im Juli hat das Europäische Parlament heute dem Gesetzgebungspaket zum EU-Patent zugestimmt. Dazu Alexandra THEIN, rechtspolitische Sprecherin der FDP im Europäischen Parlament und Berichterstatterin der liberalen ALDE-Fraktion: „Es wurde höchste Zeit, dass wir uns nach vier Jahrzehnten Diskussion endlich einigen konnten. Das waren wir unseren Unternehmen und Erfindern schuldig. Das derzeit gültige nationale Bündelsystem ist nicht mehr zeitgemäß, bürokratisch und verursacht im internationalen Vergleich mit den USA oder China unverhältnismäßig hohe Kosten.“
Im Einzelnen wurde Folgendes beschlossen: Erstens können Patente künftig mit einheitlicher Schutzwirkung für alle teilnehmenden 25 (von 27) Mitgliedstaaten beantragt werden. Eine separate Beantragung in jedem Mitgliedstaat ist nicht mehr erforderlich. Zweitens müssen diese Patente grundsätzlich lediglich in eine der drei Verfahrenssprachen des Europäischen Patentamtes übersetzt werden – also Deutsch, Englisch oder Französisch. Drittens gibt es zur Gewährleistung einer einheitlichen Spruchpraxis ein Abkommen über ein einheitliches Patentgericht, womit gleichzeitig die Kosten für die Rechtsverfolgung bei Patentstreitigkeiten gesenkt werden.
Nur Spanien und Italien zeigen sich aus nationalistischen Gründen stur, weil beide Sprachen keine Berücksichtigung fanden. Alexandra Thein: „Politische Kurzsichtigkeit ist immer zu bedauern, aber die Tür steht auch Spanien und Italien immer offen. Ich bin sicher, dass diese beiden Länder mittelfristig den europäischen Mehrwert eines einheitlichen Patentschutzes erkennen werden. Die stark exportorientierte Region Katalonien rebelliert jetzt schon gegen das Verhalten Spaniens.“
Hinsichtlich der in der Öffentlichkeit kürzlich aufgetauchten Bedenken erklärte die Europaabgeordnete Thein: „Der EuGH wird selbstverständlich über die Gültigkeit und Auslegung der Patentverordnungen entscheiden, alles andere wäre mit EU-Recht nicht vereinbar. Es bleibt auch alles beim Alten, was Softwarepatente angeht.“



