BR ZWEI: Wiederaufbau in Libyen europäisch betreiben

Die europäische Außenpolitik hat im Verlauf der libyschen Rebellion Schaden genommen, sagt Alexander Graf Lambsdorff im Interview mit dem Radiosender BAYERN ZWEI. Die Zeit des Wiederaufbaus in Libyen sei die Chance wieder eine gemeinsame europäische Initiative zu entwickeln:

“Die Übergangsregierung muss zunächst einmal definieren, was sie an Stabilisierungshilfen benötigt. Ob da Militär dabei ist, das ist noch gar nicht gesagt, das kann auch Polizei sein, Gendarmerie. Aber ganz entscheidend ist ja, dieses Land hat keine funktionierende Zentralverwaltung, es geht ganz entscheidend um Verwaltungsaufbau, um Justizaufbau, Demokratiehilfe, insofern die libyschen Stammesvertreter, der Übergangsrat, das wünschen. Es geht auch um den Aufbau von Infrastruktur, den Häfen und den Straßen. Das sind Dinge, bei denen man konkret helfen soll und da brauchen wir einen europäischen Hilfsplan. Denn eins ist klar: Libyen liegt uns direkt gegenüber an der Nordküste Afrikas, an der Südküste des Mittelmeers, wenn sie so wollen, es ist ein unmittelbarer Nachbar der Europäischen Union. Die USA haben sich in der militärischen Kampagne stark zurückgehalten, das war in erster Linie eine europäische Angelegenheit, insofern sollten wir auch den Wiederaufbau dort europäisch betreiben.”

“Ich glaube, dass die europäische Außenpolitik durch die Vorgeschichte dieser Auseinandersetzung einen Knacks bekommen hat. Wir müssen die Chance nutzen, in der Zeit der Friedenskonsolidierung und des Wiederaufbaus wieder voranzukommen, als gemeinsame europäische Initiative.”

Das Interview finden Sie im Internetangebot des BAYERISCHEN RUNDFUNKSin voller Länge zum Nachhören.

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8041372