Im Handelsblatt: “Dieser Vergleich ist ein bisschen unfair”

Alexander Graf Lambsdorff gab dem Handelsblatt das folgende Interview. Die Fragen stellte Ruth Berschens.

Graf Lambsdorff, nach dem Wahlsieg ist die FDP in Rekordgeschwindigkeit in ein Popularitätstief gestürzt. Woran liegt das?
Die Performance der schwarz-gelben Koalition lässt zu wünschen übrig. Es war ein Fehler, die Regierungstätigkeit in Berlin bis zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl auf Sparflamme herunterzufahren. Eine bürgerliche Regierung wird nicht gewählt, um die Hände in den Schoß zu legen, sondern um anzupacken.

Erst wollte die FDP Steuersenkungen, nun diskutiert sie über einen höheren Spitzensteuersatz. Wie passt das zusammen?

Lambsdorff: Wer Steuererhöhungen fordert, schließt sich dem sozialdemokratischen Mainstream an. Das ist falsch. Die FDP war immer der Meinung, dass sich der Staat nicht des Eigentums der Bürger bemächtigen darf. Wir haben also eine andere Vorstellung von der Rolle des Staates als SPD und Union.

Hat die FDP das Vermächtnis von Otto Graf Lambsdorff aus den Augen verloren?

Um das ordnungspolitische Erbe meines Onkels ist mir überhaupt nicht bange. Die Debattenbeiträge zum Spitzensteuersatz waren sicherlich unglücklich, doch entscheidend ist doch das Regierungshandeln. Da macht Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eine gute Figur. Er hat Subventionen für Opel abgelehnt, obwohl es erhebliche Widerstände auch von der Bundeskanzlerin gab. Trotzdem hat Brüderle durchgehalten.

Reicht Brüderle an das wirtschaftspolitische Profil des Marktgrafen heran?

Dieser Vergleich ist ein bisschen unfair. Angela Merkel reicht auch nicht an Helmut Kohl heran und Sigmar Gabriel nicht an Willy Brandt. Niemand in der deutschen Politik verkörpert momentan die wirtschaftspolitische Kompetenz eines Otto Graf Lambsdorff. Sehen Sie sich doch mal die anderen Parteien an. CDU, SPD und Grüne haben ihre wichtigsten Wirtschaftspolitiker verloren. Friedrich Merz, Rainer Wend und Oswald Metzger sind weg. Im Vergleich dazu ist die FDP wirtschaftspolitisch gut aufgestellt.

Zum Interview auf Handelsblatt.de