Derivatehandel - Nicht den Boten erschießen

Das europäische Parlament fordert mehr Transparenz für den Handel mit Finanzderivaten. Für Zertifikate, die in Euro denominiert sind und wenn mindestens einer der Handelspartner in Europa sitzt, soll der Handel über europäische Clearing-Stellen abgewickelt werden. Darüber hinaus werden Verbote für Derivate in Erwägung gezogen, die überwiegend oder ausschließlich der Spekulation dienen. Grund für die Regelung ist die Rolle, die dem Handel mit diesen Zertifikaten beim Verlauf der Wirtschafts- und Finanzkrise zugeschrieben wird, zum Beispiel Kreditausfall-Versicherungen.

Dr. Wolf Klinz, finanzpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament begrüßt den Beschluss des Parlaments:

„Bei aller Verstimmung über den Derivatehandel müssen wir die Regulierung nüchtern angehen. Ein Teil dieser Finanzinstrumente ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn sie dazu dienen, Risiken abzusichern. Wenn Thyssen-Krupp sich auf diese Weise Erz zu bestimmten Preisen sichert, oder die Lufthansa Kerosin, dann ist das ein legitimes Ziel. Andere Produkte dienen allerdings nur der Spekulation. Auf jeden Fall muss der Handel transparent gemacht werden. Der Vorschlag, die Produkte zu standardisieren und Clearing-Stellen für den Handel zu schaffen, geht in die richtige Richtung.

Willkürlich Verbote bringen uns allerdings nicht weiter. Die Finanzmärkte mit ihren Instrumenten haben die Krise nicht verursacht, sondern aufgedeckt. Das Motto ‚erschießt den Boten’ lohnt sich nicht.

Über eines darf es keine Illusionen geben: Die Finanzwirtschaft ist kreativ und schnell. Wenn es Schlupflöcher gibt, werden diese genutzt. Einen wirklichen Fortschritt würde nur eine globale Regelung bringen, aber von der sind wir noch weit entfernt. Ein abgestimmtes Vorgehen wenigstens in Europa und mit der USA ist aber unverzichtbar.“