Der Westen: „Letztes Aufbäumen“ in Griechenland

Dr. Jorgo Chatzimarkakis gab der ‘Westdeutschen Allgemeinen’ das folgende Interview. Die Fragen stellte Thomas Rünker.

Wie schätzen Sie die aktuellen Proteste in Athen ein?
Chatzimarkakis: Die Griechen haben immer demonstriert, auch gewaltsam. Denken Sie an die Proteste nach dem Tod eines Jugendlichen vor etwa einem Jahr. Das liegt auch an der großen autonomen Szene. Aktuell sehe ich in den Protesten ein letztes Aufbäumen vor einem Sparprogramm, das Griechenland in seinen Grundfesten verändern wird. Man darf sich durch die Gewalt aber nicht verwirren lassen: 80 Prozent der Griechen unterstützen Papandreous Sparkurs.

Sehen Sie einen Weg, die Lage zu beruhigen?
Die Lage muss beruhigt werden, denn die Bilder verunsichern die Finanzmärkte. Jetzt haben wir ein dickes Hilfspaket, aber womöglich Schwierigkeiten, das Geld für die Kredite zu bekommen – da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Wie kann da die EU helfen?
Wir brauchen eine Art „Marschall-Plan“ nicht in Form neuer Hilfen, sondern durch bessere Zusammenarbeit. So könnten sich Handelsketten wie Lidl oder Praktiker verpflichten, in ihren griechischen Filialen bis zu 50 % heimische Produkte anzubieten. Bislang kommen etwa 90 % der Lebensmittel aus Deutschland. So könnten die Handelsketten ein großes Stück Verantwortung übernehmen.