Handelsblatt: Euro-Ausstieg würde Athen in Todesspirale führen

Jorgo Chatzimarkakis lehnt im Handelsblatt-Interview einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ab. Die Fragen stellte Thomas Ludwig.

Herr Chatzimarkakis, Politiker aus CDU und CSU fordern Griechenland auf, aus der Währungsunion auszutreten, die Landeswährung abzuwerten und so wieder wettbewerbsfähig zu werden. Halten Sie das für späte Einsicht oder Unsinn?
Diese Position ist wenig zielführend. Ein Austritt steht nicht auf der Tagesordnung, insofern ist es müßig darüber zu diskutieren. Er kann nur freiwillig erfolgen, das wird Griechenland kaum tun.

Ist es damit gut beraten?
Ja. Einerseits gäbe es von einer volkswirtschaftlichen Argumentation her natürlich durchaus Gründe für einen solchen Ausstieg, anderseits würde das Athen in eine Todesspirale der Abwertung führen. Mit einer stark abgewerteten Drachme könnte Athen nämlich seine Schulden nicht mehr in Euro bedienen. Dies hätte für den größten Gläubiger Deutschland sehr negative und katastrophale Konsequenzen. Ich glaube kaum, dass wir so etwas in Deutschland fordern sollten!

Worauf kommt es an, damit Griechenland in der Eurozone nicht zum Präzedenzfall wird?Wenn wir das verhindern möchten, brauchen wir sehr rasch ein geregeltes Instrumentarium, das bei drohender Staatspleite hilft. Die Bedingungen dieses Instrumentariums sollten aber derart weitreichend gestaltet werden, dass eine Inanspruchnahme nicht attraktiv ist. Haushaltsdisziplin muss attraktiver sein.

Ähnliches hat EU-Währungskommissar Olli Rehn vorgeschlagen. Disziplin anzumahnen ist gut und schön, doch auch in der Vergangenheit haben die Mitgliedstaaten den Stabilitätspakt immer wieder ausgehebelt.
Für die Zukunft der Währungsunion ist es entscheidend, allen Mitgliedern klarzumachen, dass der Stabilitätspakt buchstabengetreu umgesetzt werden muss. Er ist kein „Gentleman’s Agreement.“ Jetzt müssen Maßnahmen zur besseren Prävention, zur Stärkung des Stabilitätspakts her. Wir brauchen stärkere Sanktionen bei Verletzungen, ebenso wie ein klares Mandat für Eurostat. Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser. Das merken wird jetzt.