Nach Risiken und Nebenwirkungen fragt jetzt der Staatsanwalt

Gegen kriminelle Apotheker hilft nur konsequente Kennzeichnung und Kontrolle der Präparate, sagt Holger Krahmer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament.

Vor dem Hintergrund staatsanwaltlicher Ermittlungen in zahlreichen Apotheken in Deutschland, nachdem aufgeflogen war, dass Apotheker billige nachgeahmte oder gefälschte Medikamente als teure Originale verkauft hatten, sieht Krahmer an zwei Stellen dringenden Handlungsbedarf:

„Der Skandal zeigt, dass die derzeit in Brüssel diskutierte Richtlinie über gefälschte Medikamente dringend verabschiedet werden muss und dass die Aufsichtsbehörden strenger arbeiten müssen. Die Richtlinie schafft die dringend notwendige Pflicht zur Kennzeichnung von Medikamenten, so dass die Lieferkette vom Hersteller bis zum Ladentisch des Apothekers nachverfolgt werden kann. Über fälschungssichere Merkmale und Siegel muss wie bei Geldscheinen gesichert werden, dass die Verpackungen nicht manipuliert werden können. Dies erleichtert den Aufsichtsbehörden die Arbeit entscheidend. Die Beamten müssen diese Hilfen aber auch nutzen und die Kontrolle verstärken.

Ein solcher Skandal in Deutschland ist nur möglich, weil viele Stellen versagt haben: Die Hersteller und Händler, die sich zuwenig um Fälschungssicherheit kümmern und Apothekenaufsicht, die nicht scharf genug kontrolliert. Vor allem aber die kriminellen Apotheker selbst, die sich am Leid ihrer Kunden bereichert haben. Gerade diese Branche pocht immer auf ihre Beratungskompetenz und Zuverlässigkeit, zum Beispiel beim Lobbying gegen Internetapotheken. Von dieser Glaubwürdigkeit haben die Apotheker in diesem Skandal viel verloren.“

Krahmer ist Berichterstatter der ALDE für die Richtlinie zur Bekämpfung gefälschter Arzneimittel.